Memorabilien

von Emil Ermatinger

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Ernst Lüthold

 

Foto Ernst Lüthold

Ernst Lüthold, Sohn des Arnold Lüthold und Anna geb. Uster, erblickte am 24. Mai 1904 das Licht der Welt. Er entstammte einem alten Baarer Geschlecht. Sein Vater war Dekorationsmaler mit einem ausgeprägten Kunstsinn. Zudem war er ein grosser Musikfreund, der ausgezeichnet Klarinette spielte. Bei Bedarf wurde er als Aushilfe im Tonhallenorchester in Zürich eingesetzt. 

Schon früh machte sich bei Ernst Lüthold ein grosses musikalisches Talent bemerkbar. Er übte Klavier und Violine. Kaum sechzehnjährig, im Jahr 1920, wurde Ernst Lüthold erster Leiter des Jodler Doppelquartetts. Bald danach folgte der Eintritt in die Harmonie Kilchberg, deren Leitung er im Jahr 1923 übernahm. Trotz diesen Voraussetzungen entschied sich der Jugendliche vorerst für eine kaufmännisch ausgerichtete Ausbildung und besuchte die Kantonale Handelsschule in Zürich. Nach kurzer Praxis im Bankfach und in der pharmazeutischen Branche erwies sich der Drang nach Musik aber eindeutig als stärker.

Ernst Lüthold erhielt seine Ausbildung auf dem Piano und holte sich 1927 das staatliche Dirigentendiplom an der Musikakademie in Zürich.

Ein Jahr danach ehelichte Ernst Lüthold Elsie geb. Heyser und wurde im Jahr 1933 zusammen mit seiner Gattin ins Bürgerrecht von Kilchberg aufgenommen. 

Mit  Klavierunterricht und als Chor- und Blasorchesterdirigent, Musiklehrer und Komponist hat er sich seinen Lebensunterhalt verdient. Er wirkte in den Musikgesellschaften Adliswil, Baar, Küsnacht, Bürgermusik Luzern und mehr als vierzig Jahre leitete er die Harmonie Kilchberg. Ebenso war er über viele Jahre Dirigent beim Kirchengesangsverein Predigern, dem Männerchor Oerlikon, der Töchterchöre Zürich und Neumünster Zürich sowie des Jodeldoppelquartetts des TVK.

Nach grossen Erfolgen an Kantonalmusikfesten mit höchsten Auszeichnungen wurde Ernst Lüthold in zunehmendem Mass als Wertungsrichter und Berichterstatter zu Musikfesten im ganzen Land gerufen. Er hat die Blasmusiksache gefördert und ihr neue Impulse gegeben. In vielen Vorträgen und Dirigentenkursen hat er sich für die Verbesserung und Aufwärtsentwicklung eingesetzt. Ernst Lüthold hat die Blasmusikabteilung an der Musikakademie in Zürich gegründet und viele Blasmusikdirigenten ausgebildet.

Nachdem er die Blasmusikabteilung in der Musikakademie im Jahr 1956 in die Hände eines seines besten Schülers gegeben  hat - Musikdirektor Heinrich Menet - leistete er an dieser Stelle weiterhin seinen Beitrag, indem er als fachlicher Hauptexperte bei den Diplomprüfungen mitwirkte.

Ernst Lüthold wird nachgesagt, dass er nicht nur ein mustergültiger Leiter und Lehrer war, sondern auch durch vornehme und menschliche Denkart bestochen hat und die grosse Fähigkeit besass, wahre Kameradschaft und viele freundschaftliche Kontakte zu pflegen.

Doch genau diese Fähigkeiten setzten ihm gesundheitlich zu. Die pausenlos gesellschaftlichen Verpflichtungen und  nicht zuletzt auch die Enttäuschung über die Grenzen des Amateurmusizierens,  gaben ihm den Antrieb, sein Leben in eine neue Richtung zu entwickeln. So entschied sich Ernst Lüthold für die Verlagstätigkeit und gründete 1945 zusammen mit Walter Wild den ELWE Musikverlag in Zürich.

Inspiriert von Charles Lindberg, der im Jahre 1927 als Erster den Ozean überflog, komponierte Ernst Lüthold seine erste Marschkomposition mit dem Titel: „Über den Ozean.“ Im Anschluss wurde er kompositorisch sehr aktiv und es folgten viele Märsche. Dabei zeichnete sich eine Vorliebe für Militärmärsche ab. Der Marsch „Wehrbereit“ ging als preisgekröntes Werk aus einem Wettbewerb für Militärmärsche des Schweizerischen Rundfunks hervor und wurde am 24. November 1940 in Anwesenheit von General Guisan im Kongresshaus Zürich feierlich uraufgeführt. Der im Jahr 1955 komponierte Marsch „Musketier“ machte Ernst Lüthold über die Grenzen seiner Heimat hinaus bekannt. Dieser Marsch erfreute sich grosser Beliebtheit und wurde auch in den Ländern Holland, Deutschland, England und Amerika verlegt.

Seine beliebten Marschkompositionen zollten ihm grosses Ansehen. Noch heute ist der Marsch „Schwyzer Soldaten“ einer der meistgespielten Märsche im Land und auch im Ausland haben die zweiundzwanzig Märsche von Ernst Lüthold starken Nachhall gefunden.

„Es ist Ernst Lüthold gelungen, den Marsch schweizerischer Prägung mit neuen harmonischen Wendungen und pikanten Rhythmen weiter zu entwickeln. Sein ganz persönlicher Stil zeigte überraschende Verbindungen und Ausweichungen von bestechender Wirkung. Alles scheint sich dabei organisch wie aus einem Motivkern zu entwickeln, wobei im Rhythmischen das Elementare stets primäres Bauelement ist. „ („Zum 100. Geburtstag – Ernst Lüthold“ - Quellennachweis:  Lit. Elwe/ÖB 6, 1971, S.66/SBZ 12, 1964, S.2/SBZ 19, 1966, S.400)

Anlässlich des Jubiläumskonzertes vom 30. November 1963 wurde Ernst Lüthold für sein gesamtes Schaffen als bleibende Erinnerung und Würdigung eine Ehrenurkunde der Gemeinde Kilchberg überreicht.

Ernst Lüthold starb mit zweiundsechzig Jahren am 27. August 1966 in Zürich.

Quellennachweis: 
Lit. Elwe/ÖB 6, 1971, S.66/SBZ 12, 1964, S.2/SBZ 19, 1966, S.400,
Unisono-Beitrag 11-2004
Unterlagen zu „Ehrung von Herrn Musikdirektor Ernst Lüthold“

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