Memorabilien

von Emil Ermatinger

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Emil Ermatinger

 Foto Emil Ermatinger

(Foto: November 2010)

Emil Ermatinger wurde am 07. Dezember 1931 als Sohn von Erhart Ermatinger und Adrienne geb. van Nispen in Arnhem/Niederlande geboren. Vater Erhart - ein begabter Komponist und Symphoniker - hat u.a. bei Ferruccio Busoni in Berlin studiert, unterrichtete als Lehrer am Konservatorium in Zürich und war als Dirigent tätig. Emil Ermatingers Grossvater (ebenfalls mit Vorname Emil) war Germanist an der ETH und Universität in Zürich.

Schon früh zeigte Emil Ermatinger eine grosse Begabung für Musik und Literatur. Sein Vater, der eher für atonale Musik stand, forderte den Jungen bereits im Kindesalter auf, selber zu komponieren. So entstand das Erstlingswerk: „Kleines Licht“ mit dem Text: „Der Du auf dem Wolkenrande hoch am Abendhimmel schreitest…“ Danach folgte die Komposition zum Märlispiel „Das Zepter“ von Kurt Bigger. Noch vor dem achtzehnten Lebensjahr hatte Emil Ermatinger zwei selbst getextete Operetten komponiert.

Die Melodien hörte Emil Ermatinger im Kopf. Sie entstanden überall, zum Beispiel im Tram. Danach hat er sich hingesetzt und die Töne notiert.

Er war fasziniert von Schönbergs Werk „Moses und Aaron“ - die Oper mit zwölf Tönen - und entwickelte eine tiefe Vorliebe zur sinfonischen Musik, von der Klassik über die Romantik, bis zur Moderne und Zwölf-Ton-Musik.

Schon in jungen Jahren wusste er, dass für ihn nur der Beruf als Komponist und Dirigent in Frage kam. Emil Ermatinger spielte die Instrumente Klavier, Kontrabass und Trompete.

Nach der Ausbildung am Konservatorium folgte ein Weiterstudium an der Musikakademie in Zürich. Sein damaliger Lehrer - Ernst Lüthold - war Gründer des ELWE Musikverlags und ein Fachmann für Blasmusik.

Diese Begegnung ergab, dass Emil Ermatinger seine Laufbahn in diese Richtung lenkte, Mitarbeiter im ELWE Musikverlag an der Flössergasse in Zürich wurde und diesen Verlag zu einem späteren Zeitpunkt von seinem Mentor übernahm.

1954 heiratete Emil Ermatinger Claire geb. Glättli. Aus dieser bis zu seinem letzten Tag  glücklichen Verbindung gingen im selben Jahr die Tochter Franziska und einige Jahre später der Sohn Andreas (Inhaber Firma Giannini Swiss Drums in Zürich) hervor. Claire Ermatinger-Glättli ist ihrem Mann stets zur Seite gestanden und hat viele Jahre im ELWE Musikverlag mitgearbeitet. 

Emil Ermatinger übernahm 1955 die Leitung des Kirchenorchesters Albisrieden. Noch im selben Jahr begann sein langjähriges blasmusikalisches Wirken als Dirigent im Musikverein Harmonie Embrach, ab 1960 zusätzlich in der Stadtharmonie Eintracht Winterthur-Töss und ab 1961 wiederum in der Stadtharmonie Schaffhausen.

Emil Ermatinger wusste, dass sich namhafte Komponisten zu Lebzeiten sehr gefreut haben, wenn ihre Werke für Blasorchester arrangiert wurden. Wolfgang Amadeus Mozart hat einige seiner Kompositionen deshalb eigenhändig umgeschrieben, er wollte sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Auch Richard Wagner beauftragte seine Zeitgenossen, die von ihm komponierten Opern für Blasorchester zu setzen. Wichtig war, die Werke zu verbreiten. So wichtig, dass Richard Strauss J.H. Müller auf der Bühne gar küsste und umarmte, als dieser seinen Till Eulenspiegel für Blasorchester arrangiert und erfolgreich aufgeführt hatte.

Obwohl Emil Ermatinger ebenfalls Orchesterwerke für Blasmusik arrangiert hat, war er dabei doch eher zurückhaltend und ausgesprochen wählerisch geblieben. Er tat dies nur, wenn das Original aus musikalischer Sicht - vom Charakter her - eine solche Transkription auch wirklich zuliess.  

Sein Anliegen galt vor allem der konzertanten Blasmusik. Dass es in der Schweiz viele gute Komponisten gibt und gegeben hat, war für Emil Ermatinger eine Freude. Es sind denn auch diese zeitgenössischen Originalwerke, die er gerne in den Verlag aufgenommen und vertrieben hat. Sein Ziel war die Förderung von Schweizer Talenten, die eine Sprache lebendiger Gegenwart sprechen, die „reine“ Blasmusik schreiben und die er als geeignet betrachtete, den Weg eines neuen musikalischen Wortschatzes in das Bewusstsein der Musikhörer zu ebnen. Viele der im ELWE Musikverlag verlegten Werke, zum Beispiel von Albert Häberling, Marcel Wahlich, Paul Huber, Oscar Moret, Kurt Weber, Pasqual Favre, Otto Haas, Urs Heri und seine eigenen Kompositionen bezeugen dies.  

Mit seiner ersten Komposition für Blasorchester, die Ouverture Pegasos, ergab sich für Emil Ermatinger ein erster Einblick in das blasmusikalische Schaffen. Bei der Uraufführung erntete er tosenden Applaus und Standing Ovations von der Jury.

Nach dem Hinschied von Ernst Lüthold (1966) wurde Emil Ermatinger aufgrund seines umfassenden Wissens als Fachexperte bei der Abnahme von Diplomprüfungen hinzugerufen und von staatlichen Experten  sehr geachtet. Seine methodisch-pädagogischen Fähigkeiten setzte Emil Ermatinger als Fachlehrer bei den vom Zürcher Kantonal-Musikverband durchgeführten Dirigentenkursen des Eidgenössischen Musikverbandes ein.

Aufgrund seiner grossen fachlichen Erfahrung, seiner Kompetenz, seiner objektiven Integrität und seines menschlichen Verständnisses war Emil Ermatinger auch an vielen regionalen, kantonalen und eidgenössischen Musikfesten ein willkommener Wertungs-Experte und Jurymitglied.

Im Jahr 1987 wurde er Mitglied und zwei Jahre danach Präsident der Musikkommission des Zürcher Kantonal Musikverbandes.

Aufgrund seines grossen Beitrags im Dienst der Blasmusik wurde Emil Ermatinger im Jahr 1995 mit dem Stephan-Jaeggi-Preis ausgezeichnet. Zum 100jährigen Bestehen des ZKMV schuf er als Kompositionsauftrag die Suite „Balletto“. Dieses Werk wurde in der Tonhalle in Zürich uraufgeführt. Emil Ermatingers Werke wurden immer wieder an kantonalen und eidgenössischen Musikfesten als Aufgabestücke gespielt.

Heinrich Menet, ein Freund (Fachlehrer an der Musikakademie und Experte) sagte einst:

„Und in all diesem intensiven Wirken in den vielgestaltigen Bereichen zeichnet sich unser Freund Emil Ermatinger in ausgeglichener Konstanz als gütige, charaktervolle Persönlichkeit aus – geprägt von künstlerischem Ernst und Gradlinigkeit – aber auch von überzeugender Menschlichkeit. Und diese ganze innere Grösse wirkt in selbstloser Bescheidenheit.“

Am 16. Februar 2011 ist Emil Ermatinger, Ehemann, Vater, Grossvater, Komponist und Inhaber des ELWE Musikverlags verstorben. Er wünschte ein stilles Begräbnis im Kreise seiner Familie und den engsten Freunden. Diesem Wunsch wurde entsprochen. Emil Ermatingers Grab befindet sich im Friedhof von Rudolfstetten.

Zu Lebzeiten hat Emil Ermatinger Klavierwerke, Kompositionen für Blasorchester, auch für Kammermusik mit Streichern, sinfonische Werke, für Gesang, Chor und Orchester, Solostücke, mehrstimmige Stücke, festliche Musik und eine Anzahl an Märschen geschrieben.  

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